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Eines Tages...

Jeder Atemzug brannte in seinen Lungen, als er sich nach Luft ringend an der Mauer festhielt. Die Wände der engen Gasse warfen sein Keuchen hallend zurück, als würden sie sich mit einem gehässigen Lachen über ihn lustig machen. Sein Herz raste. Was war geschehen?

Enathan setzte sich auf die Stufen eines Hauseingangs und sah sich um, versuchte herauszufinden, wo er war. Und vor allem, warum er hier war. Es war Nacht, so viel war ihm klar. Grelle Farben von Neonlichtern und holografischen Anzeigen drangen von einem Ende der Gasse ein und versuchten vergeblich die Dunkelheit zwischen den alten Gebäuden zu vertreiben. Irgendwo am anderen Ende, wo es noch dunkler war, fiel eine Glasflasche klirrend um, als ein Penner sich, vom Lärm geweckt, in seinem Nest aus alten Decken und zerbrochenen Kisten umdrehte.

Enathan kannte die Gasse. Es war eine der vielen schmalen, verwinkelten Seitengassen in der halbverfallenen Altstadt von Graz. Er war hier sicher schon das eine oder andere Mal durch gerannt oder hatte sie mit seinem Hoverbike als Abkürzung genommen, um einer Polizeistreife zu entgehen oder um bei einem Wettrennen mit Freunden einen kleinen Vorteil zu erringen. Doch warum war er jetzt hier? So sehr er auch angestrengt nachdachte, an der Stelle, wo sonst die Erinnerung sein müsste, war nur ein dunkles Loch, das sich immer mehr mit stechenden Kopfschmerzen füllte.

Ein Aufbruch

Als die letzten Lichtstrahlen der schwachen Frühjahrssonne hinter dem Horizont verschwanden, wurde es merklich kühler zwischen den Zinnen der Burgmauer. Dietrich blickte über den See auf die Stadt. Die Lichter in den Fenstern der Fachwerkbauten hoben sich langsam vom schwindenden Tageslicht ab, die ersten Lampen in den Häusern brannten bereits. Ein kleines Flussschiff wurde soeben an einem der Stege vertäut und die Ware eifrig ausgeladen, solange es noch nicht ganz dunkel war. Jeder, der noch etwas zu erledigen hatte, versuchte nicht zu lange im Dunkel unterwegs zu sein.